Die Innsbrucker Klinik für Neurologie und Psychiatrie

Die Innsbrucker Neurologisch-psychiatrische Klinik entstand im Anschluss an die Ernennung des ersten, außerordentlichen "Ordinarius für Psychiatrie und Nervenpathologie" Gabriel Anton (1858-1933) im Jahre 1891 als vierte der zur damaligen Zeit in Österreich existierenden psychiatrischen Universitätskliniken. Die erste überlieferte Patientin, ein Mädchen, wurde im Juni 1891 aufgenommen, der erste überlieferte Patient, ein junger Mann, drei Monate später. Ihren vollen Betrieb nahm die Abteilung allerdings erst 1892 auf. Obwohl der Grund für die Errichtung der Klinik nicht eigentlich die Not in der Versorgung von PatientInnen war, schließlich war die Klinik von mehreren, nicht allzu fernen Anstalten (Hall, Valduna und Pergine) umgeben, hinzu kam noch, dass auch das Innsbrucker Krankenhaus sogenannte "Irrenbetten" führte, war sie, wie die Quellen belegen, beständig gut ausgelastet, wenn auch über die Jahre unzureichend ausgestattet. Die Abteilung war in den Räumen der heutigen Kinderklinik untergebracht, in denen auch die Hautklinik und die HNO-Abteilung Platz finden mussten, anfangs noch in den Kellerräumen des Gebäudes, später dann in dessen Erdgeschoss. Die Bettenzahl ist nicht überliefert – aus den Krankenakten aber kann entnommen werden, dass die Aufnahmen von Jahr zu Jahr und mit Ausnahme der späten Kriegsjahre beständig zunahmen: von etwa jährlich 105 Aufnahmen im Jahr nach der Gründung 1892/93 bis zu gut drei Mal so vielen im Jahr 1915. Mit 1894 wird der Meynert-Schüler Carl Mayer (1862-1936) auf den vakanten Lehrstuhl berufen. Vierzig Jahre lang wird er Institut und Krankenabteilung leiten und er ist wesentlich daran beteiligt, dass die Neurologische Abteilung nach 1918 in die ehemalige Kadettenschule in den Innrain ausziehen kann und 1936 die Neurologisch-psychiatrische Klinik am heutigen Standort neu errichtet wurde. M.R.


Patienten und Patientinnen der Innsbrucker psychiatrischen Klinik um 1900